.:: ZIELMETHODEN: Traditionell Ziele treffen!

Viele Schützen behaupten, reine Instinktschützen zu sein und Zielen wäre für sie absolut kein Thema.

Doch: Wer kein Ziel hat, wird auch kein Ziel treffen!

In Gesprächen mit anderen traditionellen Bogenschützen habe ich festgestellt, dass sie sich über das Zielen noch gar keine Gedanken gemacht haben und bei vielen die unterschiedlichen Zielmethoden nicht bekannt sind.

In meinen Augen sind alle Zielmethoden gleichwertig.
Was letztlich zählt ist die Treffsicherheit, die jemand mit seiner eigenen Methode hat.


Zielmethoden:


1. Stringwalking / Facewalking

Stringwalking / Facewalking: Hier wird dafür gesorgt, dass die Pfeilspitze immer im Ziel liegt. Dazu wird entweder der Ankerpunkt in Abhängigkeit von der Entfernung im Gesicht verschoben (Facewalking) oder die Sehne entsprechend unterhalb des Pfeils gegriffen (Stringwalking). Facewalking sieht man allerdings nur selten, da es oftmals durch Reglements untersagt wird (typische Formulierung: "Nur ein Ankerpunkt ist zulässig, der nicht verändert werden darf"). Stringwalking ist auch nicht immer zulässig. Es darf beispielsweise beim DSB in der Blankbogenklasse, aber nicht beim DFBV in den Bowhunterklassen eingesetzt werden, dafür in den Barebowklassen. Hier sollte man es sich sehr gut überlegen, bei welchen Turnieren und in welcher Klasse man starten möchte. Facewalking macht zudem viel Arbeit, sich in seinem Gesicht eine gewisse Anzahl gleichwertiger Ankerpunkte zu erarbeiten. Doch Achtung: Stringwalking ist für viele traditionelle Bögen, vor Allem für Primitiv- bzw. Selfbows ungeeignet, da diese Bögen nicht für die unterschiedlichen Belastungen der Wurfarme konzipiert sind.


2. Systemschießen (Zielpunktmethode oder Point of Aim)

Systemschießen oder Point of Aim: Je nach Entfernung wird die Pfeilspitze über oder unter das eigentliche Ziel gehalten. Unter diesem Bergriff versteht man, dass der Schütze sich einen Visierersatz sucht. Dies ist in aller Regel die Pfeilspitze, gelegentlich auch das Bogenfenster.
Die Voraussetzung hierfür ist allerdings eine gute Kenntnis der Entfernung zum Ziel. Von der Entfernung hängt ja ab, wie viel über oder unter das Ziel gehalten werden muss.


3. Gapshooting

Gapshooting: Betrachtet wird nur der Bereich zwischen Pfeilspitze und Zielpunkt. Beim Gapshooting liegt die Aufmerksamkeit auf dem Abstand (Gap) zwischen Zielpunkt und Pfeilspitze. Der Schütze stellt sich dabei die mögliche Flugbahn des Pfeils vor. Obwohl Pfeilspitze und Zielpunkt gesehen werden, ist das Hauptaugenmerk auf der möglichen Flugbahn und damit auf dem Gap. Der Anstand (Gap) kann auf zwei unterschiedliche Arten herausgefunden werden:

I. Zum einen kann jeder Entfernung im Vorfeld ein bestimmter Abstand zugeordnet werden. Das bedeutet, dass die Entfernung bewusst geschätzt werden muss.

II. Eine andere Möglichkeit besteht darin, den Abstand gefühlsmäßig oder instinktiv festzulegen.


4. Instinktives Zielen

Instinktives Schießen: Man betrachtet einfach den Punkt, den man treffen möchte, deutet mit der Bogenhand auf diese Stelle und schießt. Eigentlich müsste man von "intuitivem" statt "instinktivem" Schießen sprechen, denn kein Lebewesen wird mit echten Instinkten fürs Bogenschießen geboren.
Trotzdem hat sich dieser Begriff durchgesetzt. Instinktives Schießen meint eigentlich nichts anderes, als sein Unterbewusstsein alle nötigen Handlungen ausführen zu lassen. Man betrachtet einfach den Punkt, den man treffen möchte, zeigt mit der Bogenhand auf diese Stelle und schießt. Instinktives Schießen ist nichts anderes als eine Hand-Augen-Koordination. Das bedeutet, das Auge sieht und das Gehirn steuert die Hand und zwar unbewusst in die richtige Position. Die Fähigkeit des Instinktiven Schießens kann man allerdings nur erlernen und erhalten, wenn man in ständiger Übung bleibt. Dabei wird das Unterbewusstsein so programmiert, dass das Ziel ohne größeres Nachdenken nur durch Anschauen getroffen wird. Anfänger machen sehr häufig den Fehler, mit zehn verschiedenen Pfeilen das instinktive Bogenschießen erlernen zu wollen. Dabei stellt jeder Schuss eine andere Bedingung dar und das Gehirn ist nicht in der Lage, sich richtig einzustellen.

Wer behauptet, dass instinktives Schießen nicht Zielen bedeutet, hat diese Variante sicher mißverstanden.


5. Split Vision

Split Vision: Dabei behält man sowohl das Ziel als auch den Pfeil im Auge. Howard Hill, einer der Pioniere des modernen Bogensports, gab seiner Ziel-Methode den Namen "Split Vision". Frei übersetzt könnte man "geteiltes Sehen" sagen. Dabei fixierte er den Punkt, den er treffen wollte, behielt aber auch die Pfeilspitze und den Punkt, auf den sie zeigte, im Blickfeld. Die Methode musste bei ihm ziemlich gut funktioniert haben, schoss er doch bei diversen Veranstaltungen mit seinem Langbogen Damen Zigaretten aus dem Mund. Diese Variante ist weniger eine eigenständige Zieltechnik, sondern vielmehr eine Kombination von instinktivem Schießen und Systemschießen. Sie kann auch mit Gapshooting oder Stringwalking kombiniert werden. Der "Seitenblick" auf den Pfeil kann dann bei allen Methoden zur Korrektur der Schussrichtung dienen. Übt man das eine Zeit lang, wird der Pfeil nur mehr schwach wahrgenommen, aber stark genug, um eben damit die Richtung des Pfeils zu beeinflussen.