.:: BOGENTYPEN

Der Flachbogen

Die Wurfarme sind Flach und breit gehalten. Sie verjüngen sich nicht in Breite und Dicke zu den Bogennocken hin, sondern verjüngen sich nahezu nur in der Breite, während die Dicke der Wurfarme etwa konstant bleibt, was den Wurfarmen ein Pyramidenförmiges Aussehen verleiht. Deshalb wird diese Bogenform gelegentlich auch als Pyramidaler Bogen bezeichnet.

Der Griff ist in der Breite verjüngt, allerdings in der Tiefe wesentlich dicker gearbeitet, sodass der Bogen im Griffbereich relativ viel Gewicht im Vergleich zu den Wurfarmen aufweist. Als amerikanischer Langbogen feiert der Flachbogen eine Renaissance, da er bei relativ niedrigem Zuggewicht doch sehr gute Wurfeigenschaften besitzt und trotzdem über einen niedrigen Handschock verfügt.

Die Vorteile dieser Bauweise sind:

1. Der Bogen hat einen vergleichsweise geringen Handschock, wodurch der Schießkomfort deutlich verbessert wird.

2. Da die Holzfasern der Bogeninnenseite nicht so stark belastet werden, ist weniger stringfollow zu erwarten und der Bogen neigt weniger stark zu Kompressionsbrüchen. Insgesamt kann man den Bogen auch etwas kürzer halten.

3. Durch die Form der Wurfarme besitzt der Flachbogen eine hohe Akkuratesse, wodurch der Schuss sehr präzise wird. Auch kann man relativ viele Holzsorten verwenden.


Der Wikingische Langbogen

Wikingische Langbögen wurden zumeist aus dünnen Eibenholzstämmchen oder dickeren Ästen gefertigt.

Die in Haithabu gefundenen Bögen besaßen durchgehend einen ovalen Querschnitt. Auf dem Bogenrücken wurde ein Jahresring freigelegt, Astansätze wurden stehengelassen und nur leicht abgerundet geschliffen, um die Stabilität des Bogens zu erhalten.

Der Bogenbauch hingegen wurde glatt geschliffen. Bei den Eibenbögen wurde meist nur die Rinde entfernt, da man bei diesem Holz sowohl auf das Kernholz wieauch auf das Splintholz angewiesen war.

Im Gegensatz zu den modernen Sportbögen wurden die trompetenförmigen Bogenenden leicht nach hinten gebogen. Am oberen Wurfarm eine Länge von ca. 9 cm und am unteren Wurfarm eine Länge von ca. 7 cm.

Dies hatte rein funktionelle Gründe:

Da der untere Wurfarm keine Einkerbung zur Sehnenaufnahme besaß, wurde die Sehne am unteren Wurfarm festgeknotet. Ein Verrutschen der Sehne zur Bogenmitte wurde durch den Absatz und die Abknickung des Bogenendes nach hinten verhindert.
Am Oberen Wurfarm wurde zumeist nur an einer Seite eine Kerbe zur Sehnenaufnahme angebracht. Der nach hinten gebogene Teil, der von der Sehnenkerbe aus noch ca. 7 cm lang war, diente als Anpackhilfe, um den Bogen aufspannen zu können.

Die Vorteile dieser Bauweise sind:

1. Im vergleich zum Flachbogen besitzt der Wikingische Langbogen eine höhere Kraftübertragung auf schwere Jagd- und Kriegspfeile durch das Profil der Wurfarme.

2. Durch nur eine, statt vier Holzeinkerbungen zur Sehnenaufnahme wird das Holz an der Nocke zur Sehnenaufnahme wesentlich weniger geschwächt.

3. Durch den nach hinten gebogenen, trompetenförmigen Wurfarmfortsatz bietet diese Bauweise einen größeren Komfort beim Aufspannen der Sehne.


Der Englische Langbogen

Der Englische Langbogen ist eine angelsächsische Weiterentwicklung des Wikingischen Langbogens, der mit den Normannen auf die Insel kam und ist wohl der bekannteste und auch der berüchtigtste unter den traditionellen Bögen.

Mit dem Beginn des Hundertjährigen Krieges (1337-1453) rückte mit ihm eine Waffe in das Bewusstsein des kontinentalen Europas, welche bis dahin nur wenig Beachtung gefunden hatte. Der Siegeszug des Englischen Langbogens begann. Immerhin wären die legendären Siege der Engländer bei Crecy (26. August 1346), Poitiers (19. September 1356) und Agincourt (25. Oktober 1415) ohne den englischen Langbogen undenkbar gewesen! Diese englischen Siege auf französischem Boden gehören bis heute zu den beeindruckendsten Ereignissen der Militärgeschichte.

Doch zum Mythos ist der englische Langbogen erst in der Hand des Sagenhelden „Robin von Locksley“, auch besser bekannt als „Robin Hood“ geworden, dessen Geschichte genügend Erzählstoff für zahlreiche Hollywood-Filme lieferte.

Der englische Langbogen ist im aufgespannten Zustand etwa so lang wie sein Schütze, hat einen D-förmigen Querschnitt und besitzt in der Regel Hornnocken an den Wurfarmenden, die zur Sehnenaufnahme dienen. Seit dem 15. Jahrhundert existieren auch Abbildungen bzw. Fundstücke (z.B. auf dem 1545 bei Portsmouth gesunkenen englischen Kriegsschiff „Mary Rose“) von Langbögen, die in beiden Wurfarmen einen leichten Recurve aufweisen.

Die Vorteile dieser Bauweise sind:

1. eine für primitive Bögen bestmögliche Kraftübertragung auf schwere Kriegspfeile.

2. keine Schwächung des Bogens durch Einkerbungen zur Sehnenaufnahme, da hier Hornnocken aufgeleimt sind.

3. Mit Hilfe einer Spannschnur die schonendste Möglichkeit für den Bogen und den Schützen, selbst bei stärksten Bögen, die Sehne auf den Bogen aufzuspannen.