.:: BOGENSEHNEN

1. Sehenmaterial

Hanf: Die meisten englischen Langbögen sind mit diesem Sehnenmaterial ausgestattet gewesen. Wenn du dich für eine Hanfsehne entscheidest, achte darauf, dass du einen sehr langfaserigen und hochwertigen Hanf zur Sehnenherstellung auswählst, da die Sehne sonst rau und knotig wird. Mit diesem Material kannst du eine Fehlerverzeihende und sehr wasserbeständige Sehne herstellen. Leider haben Hanfsehnen eine sehr geringe Lebensdauer(max. 1000 Schuss).

Leinen (Flachs): Leinen hat sehr ähnliche Eigenschaften wie Hanf, ist allerdings etwas stabiler. Auch hier solltest du nur langfaseriges Leinen verwenden. Am besten fragst du einen Schuster in deiner Nähe, denn der Leinenzwirn aus Nähkästchen ist meist ungeeignet.

B-50 Dacron: Dacron wird am häufigsten benutzt und ist auch das billigste und langlebigste unter den für Holzbögen geeigneten Sehnenmaterialien. Dacron ist ein synthetisches Material, das speziell für traditionelle Bögen entwickelt worden und überall im Bogensporthandel erhältlich ist. Eine Dacronsehne solltest du nach etwa 2500 Schuss wechseln.

Fast Flight: Fast flight ist ein synthetisches, sehr leichtes Sehnenmaterial mit sehr geringer Dehnfähigkeit, was sich durch die direkte Kraftübertragung auf den Pfeil sehr positiv auf die Pfeilgeschwindigkeit auswirkt. Allerdings beansprucht es den Bogen und vor Allem die Bogennocken im Abschuss sehr.

Achtung: Wenn dein Bogen nicht für diese Belastung ausgelegt ist, können die Bogennocken einreißen!.

2. Sehne im Flämisch Spleiss

Hier kannst du mit zwei oder mehr Hauptsträngen (Kardeelen) arbeiten. Weniger aufwendig in der Herstellung ist eine Sehne mit zwei Kardeelen. Eine Sehne mit drei Kardeelen ist bei gleicher Strangzahl insgesamt glatter, runder und schneller als eine Sehne mit zwei Kardeelen. Wenn du Sehnengarn in verschiedenen Farben benutzt, kannst du sogar der Sehne eine individuelle Note geben!
Das Verhältnis der Sehnenstärke zum Zuggewicht des Bogens sollte mindestens 4:1 betragen.
Damit die einzelnen Stränge der Sehne später gleichmäßig belastet werden, müssen sie exakt die gleiche Länge aufweisen. Dies bewerkstelligst du am Besten mit Hilfe eines Sehnenbrettes.
Da sich die fertige Sehne beim Einschießen noch etwas dehnt, ist es sinnvoll, die Sehne minimal kürzer (ca. -½ inch) zu wickeln.

Alternativ zum unteren Sehnenöhrchen kannst du auch einen Balkenstek, auch Bogenbauerknoten genannt, anbringen, was besonders bei Englischen Langbögen als sehr traditionell gilt. Das Endstück formst du als Achtknoten, um ein Durchrutschen zu verhindern.

Solltest du dich für einen Wikingischen Langbogen entschieden haben, bist du gezwungen, die Sehne am unteren Wurfarm festzuknoten. Damit der Knoten nicht verrutscht, bindest du in diesem Fall die Sehne nicht mit einem Bogenbauerknoten fest, sondern machst dies mit fünf hintereinander liegenden Kuhstegen. Achte auch darauf, dass du das obere Sehnenöhrchen groß genug machst, um es über das trompetenförmige Ende des oberen Wurfarmes ziehen zu können. Insgesamt musst du die Sehne länger lassen, da die Kuhstege am unteren Wurfarmende viel Sehnenmaterial benötigen. Das Endstück formst du auch hier als Achtknoten, um ein Durchrutschen zu verhindern.

Nun folgt die Anleitung zur Herstellung einer Sehne im Flämischen Spleiß mit zwei Kardeelen für einen Rechtsschützen. Als Linksschütze änderst du nur die angegebenen Drehrichtungen. Die Sehne sollte sich im Abschuss zum Bogen zurück drehen, so gibst du dem Pfeil mehr Stabilität mit auf den Weg. Da diese Auswirkung jedoch minimal ist, kannst du die Drehrichtung wählen, die dir am Besten liegt.

Konstruktionsskizze eines Sehnenbrettes:

Sehnenbrett

Anmerkung: Wenn du eine Sehne mit drei Kardeelen fertigen willst, benötigst du die Stifte C bis F doppelt auf dem Sehnenbrett. Die Technik ist allerdings die gleiche, wie bei einer Sehne mit zwei Kardeelen.

  1. Stell dein Sehnenbrett so ein, dass die beiden Stifte C und D einen Abstand gleich der Sehnenlänge – ca. ½ inch (-1,3 cm) haben.
  2. Jetzt wickelst du dein Garn um die beiden äußersten Stifte A und B, bis du deine benötigte Strangzahl erreicht hast.
  3. Anschließend reibst du die Sehnenstränge mit Sehnenwachs oder Bienenwachs ein, damit die einzelnen Stränge besser aneinander kleben.
  4. Beginne nun mit dem oberen Sehnenöhrchen und schneide die Stränge an einer Seite des Stiftes A durch. Dabei setzt du die Schere am Besten schräg an, damit die Strangenden später fließend auslaufen.
  5. Kreuze nun die beiden Kardeele direkt hinter dem Stift C und beginne diese zunächst gegen den Urzeigersinn in sich selbst zu verdrehen. Halte die Hauptstränge dabei leicht auf Spannung.
  6. Nachdem die beiden einzelnen Kardeele in dem kurzen Bereich hinter dem Stift C in sich gegen den Urzeigersinn verdreht sind, verdrehst du diese im Urzeigersinn auf einer Strecke von ca. 2 inch (14 – 18 Umdrehungen) miteinander.
  7. Nun hebe das Garn vorsichtig von dem Stift C und lege es wie in der Abbildung um den versetzbaren Stift E, wobei du die Strangenden auskämmst und mit den Kardeelen verklebst. Die Strangenden sollten unterschiedlich lang sein, damit ein fließender Übergang zur Hauptsehne entsteht.
  8. Jetzt beginnst du wieder wie unter Punkt 5 die beiden Kardeele gegen den Urzeigersinn in sich selbst zu verdrehen.
  9. Wie in Punkt 6 verdrehst du nun die in sich gegen den Urzeigersinn verdrehten Kardeele im Urzeigersinn miteinander, allerdings so weit, bis die an die Kardeele geklebten Strangenden komplett miteinander verdreht sind.
  10. Hebe jetzt das andere Ende der Sehne vom Stift B.
  11. Lege das eben geflochtene obere Öhrchen um Stift C, trenne die Kardeele voneinander und setze den versetzbaren Stift E in die innere Bohrung, sodass der Stift E die Kardeele voneinander trennt.
  12. Ziehe die Stränge glatt und schneide anschließend das untere Ende der Sehne durch. Hier kannst du die Schere wieder schräg ansetzen, damit die Enden wieder unregelmäßig auslaufen.
  13. Nun verdrehst du die beiden Kardeele in sich gegen den Urzeigersinn von Stift E an bis zum unteren Ende mit etwa 35 bis 40 Umdrehungen. Dieser Drall dient dazu, den gleich beim Formen des Unteren Sehnenöhrchens auftretenden Drall zu neutralisieren.
  14. Kreuze nun die beiden Kardeele direkt hinter dem Stift D und beginne diese wieder gegen den Urzeigersinn in sich selbst zu verdrehen. Halte die Kardeele dabei leicht auf Spannung.
  15. Nachdem die beiden einzelnen Kardeele in dem kurzen Bereich hinter dem Stift D in sich gegen den Urzeigersinn verdreht sind, verdrehst du diese im Urzeigersinn auf einer Strecke von knapp 2 inch (12 – 16 Umdrehungen) miteinander.
  16. Nun hebe das Garn vorsichtig von dem Stift D und lege es wie in der Abbildung um den Stift F. Die Strangenden sollten auch hier wieder unterschiedlich lang sein, damit ein fließender Übergang zur Hauptsehne entsteht. Arbeite nun wie eben die Strangenden in den Sehnenkörper ein.
  17. Anschließend nimmst du die Sehne vom Stift F herunter und verdrehst sie ein paar Mal (Mindestens eine Umdrehung pro inch Sehnenlänge) im Urzeigersinn, um ein „aufdrisseln“ der Sehne zu verhindern.
  18. Bevor du die Mittelwicklung aufbringst, solltest du die Sehne gut einwachsen und das Wachs mit einem Lappen gründlich in die Sehne einreiben!

3. Endlossehne

Die schwächste Stelle einer Endlossehne sind die Sehnenöhrchen, da diese nur die Halbe Sehnenstrangzahl aufweisen und nicht, wie beim flämischen Spleiß durchgehend über die volle Sehnenstrangzahl verfügen. Durch ihre Bauweise, besitzen Endlossehnen eine geringere Dehnfähigkeit als Sehnen im flämischen Spleiß. Dadurch wird mehr Energie an den Pfeil, aber auch an den Bogen abgegeben.

Damit die einzelnen Stränge der Sehne später gleichmäßig belastet werden, müssen sie exakt die gleiche Länge aufweisen. Dies bewerkstelligst du am Besten mit Hilfe eines Sehnengalgens.

Konstruktionsskizze eines Sehnengalgens:

Sehnengalgen

  1. Stelle den Sehnengalgen so ein, dass die vier Galgenenden in Reihe stehen und die äußersten Enden den Abstand deiner Sehnenlänge -½ inch(ca. 1,3 cm) zueinander haben.
  2. Jetzt wickelst du dein Garn um die äußersten Galgenenden, bis du deine benötigte Strangzahl erreicht hast.
  3. Verknote die beiden Garnenden am Besten durch einen Kreuzknoten miteinander.
  4. Jetzt bringst du zunächst die Mittelwicklung an.
  5. Anschließend drehst du die Galgenenden jeweils um 90°.
  6. Wickle jetzt mittig zwischen den Galgenenden A und B, einen Schutz (wie eine Mittelwicklung) für das spätere Sehnenöhrchen. Achte darauf, dass der Kreuzknoten etwa ½ inch(ca. 1,3 cm) unterhalb des späteren Sehnenöhrchens liegt.
  7. Verfahre so auch auf der anderen Seite zwischen C und D. Achte dabei immer darauf, dass die einzelnen Sehnenstränge immer die gleiche Länge haben, damit sie im späteren Einsatz auch gleichmäßig belastet werden.
  8. Jetzt stellst du die Galgenenden (mit der Wicklung mittig auf den äußeren Galgenenden liegend) wieder in Reihe.
  9. Dann wickelst du unterhalb der jeweiligen Sehnenöhrchen auf einer Strecke von ca. 3 – 4 inch Törns und endest, wie bei der Mittelwicklung.
  10. Jetzt kannst du die Sehne etwas in sich verdrehen und nochmals wachsen.

4. Mittelwicklung

Die Mittelwicklung schützt deine Sehne vor Verschleiß durch ständiges Aufnocken der Pfeile auf die Sehne.

Dafür nimmst du entweder Ein Nylon-Mittelwicklungsgarn oder als echter Traditionallist einen Leinenzwirn. Unter Zuhilfenahme eines Mittelwicklungsgerätes wird die Mittelwicklung gleichmäßig straff zudem erhältst du noch eine Zeitersparnis. Wenn du nur wenige Sehnen herstellen möchtest, kannst du auch ohne dieses spezielle Mittelwicklungsgerät auskommen.

  1. Zunächst musst du die Sehne irgendwo stramm einspannen. Ich spanne die Sehne immer direkt auf den Bogen auf, da sie dort nicht nur stramm sitzt, sondern mir auch gleich ersichtlich ist, wo die Mittelwicklung genau hingehört.
  2. Am Besten markierst du dir den Abschnitt auf der Sehne, an dem du die Mittelwicklung anbringst (von ca. 2 inch oberhalb bis ca. 7 inch unterhalb des späteren Nockpunktes). Die längere Wicklung nach unten schützt die Sehne auch vor Verschleiß, wenn dir die Sehne beim Abschuss an den Bogenarm schlagen sollte.
  3. Damit die Sehne schön straff bleibt, ist die Drehrichtung der Mittelwicklung identisch mit der Drehrichtung der Sehne.
  4. Jetzt legst du eine Schlaufe wie und überwickelst diese mit etwa 8 – 10 Törns.
  5. Ziehe jetzt das lose Ende der Schlaufe fest zu und überwickle es mit einigen weiteren Törns, bevor du den überstehenden Rest abschneidest.
  6. Jetzt wickle solange weiter, bis du nur noch ca. ¼ inch von dem Ende der Mittelwicklung entfernt bist.
  7. Schneide jetzt den Faden der Mittelwicklung so ab, dass du noch etwa 8 inch Restfaden hast.
  8. Mit diesem Ende wickelst du ca. 8 – 10 Windungen in Gegenrichtung, ziehst anschließend das Ende stramm und schneidest es ab.
  9. Damit die Mittelwicklung gut hält, kannst du auf dieses Endstück einen Tropfen Sekundenkleber auftragen oder, wenn deine Mittelwicklung aus synthetischem Material besteht, kannst du das Ende mittels einer Flamme mit der Mittelwicklung verschmelzen. Achte dabei darauf, dass der Flammenkontakt dabei sehr kurz ist und du nicht die Sehne ansengst, da diese sonst reißen kann!